Archiv für den Monat: Juni 2009

Splitter – Sebastian Fitzek

Ich habe mir fest vorgenommen, über die Bücher zu berichten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Da ich mit der Umprogrammierung der Homepage allerdings noch nicht so weit bin, wird es heute mal im LJ geschehen *g

Seit kurzem ist der neue Thriller von Sebastian Fitzek auf dem Markt – Splitter. Ich bin, was Herrn Fitzek angeht, nicht anz objektiv, da er letztes Jahr mit seinem Thriller “Der Seelenbrecher” mein Herz im Sturm erobert hat. Was mit einem “Mal sehen, vielleicht ist das Buch ja wirklich was”-Kauf anfing, wuchs sich schnell zu einer… nun, ich werde das Wort wirklich benutzen… Sucht aus. “Der Seelenbrecher” war im einem Tag durchgelesen, ebenso wie seine anderen Thriller “Amokspiel”, “Die Therapie” und “Das Kind”.

Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an sein neuestes Werk. Wie immer ist die Plotidee zu diesem Buch außergewöhnlich. Marc Lucas, Hauptcharakter des Thrillers, ist einem Punkt in seinem Leben, an dem es scheinbar nicht mehr schlimmer kommen kann. Seine schwangere Frau Sandra ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, den Marc verschuldet hat. Was kann also schlimmer sein, als mit dieser Schuld, Trauer und Verzweiflung zu leben? Und hier setzt Sebastian Fitzek an einem Punkt an, der äußerst faszinierend ist.
Haben wir uns alle nicht schon mal gewünscht, Erinnerungen vergessen zu können? Gerade diejenigen, die uns noch heute die Schamesröte ins Gesicht treiben? Oder diejenigen, die immer noch so schmerzen, dass es uns das Herz zusammen zieht? Seien wir ehrlich: wir alle haben diesen Gedanken schon einmal gehegt, oder?

Genau dieses Angebot bekommt Marc. Es wäre allerdings zu einfach, wenn nur die Erinnerung an den Unfall ausgelöscht würde. Vielmehr müßte bei Marc Format C betrieben werden, um die Festplatte danach neu zu bestücken – das ist übrigens kein Bild, das mir gerade eingefallen sind, sondern genauso wird es im Buch beschrieben.
Marc ist skeptisch – verständlicherweise. Wer würde schon diesen Versuch wagen. Eine Totalamnesie für das Auslöschen einer einzigen Erinnerung, egal wie schrecklich sie auch sein mag? Ist der Preis nicht zu hoch? Marc bittet sich Bedenkzeit aus und kehrt zu seiner Wohnung zurück. Und genau dort beginnt der Alptraum.

Ich habe dieses Buch wie die anderen Thriller in einem knappen Tag durchgelesen. Sebastian Fitzek versteht es, seinen Leser bei der Stange zu halten und so weit zu treiben, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, weil man wissen möchte, was noch alles mit Marc geschehen wird. Ich habe mich beim Lesen problemlos in Marc hineinversetzen können und war genauso verunsichert wie er, wer in diesem ganzen Spielchen, das mit ihm getrieben wird, denn nun Freund oder Feind ist.

Die Charaktere werden nach und nach auf den Höhepunkt in diesem Drama getrieben und die Auflösung ist – gelinde gesagt – eine Überraschung. Ich habe mit vielem gerechnet, mir verschiedene Szenarien vorgestellt, aber auf diese Lösung war ich nicht vorbereitet. “Reingefallen”, dachte ich mir. Denn beim Lesen habe ich (mal wieder) die Hinweise überlesen, die auf die Auflösung schließen lassen. Mal hier ein Nebensatz, dort eine Rückblende – und trotzdem habe ich die Puzzlestücke zielsicher falsch zusammengesetzt. Diese Fähigkeit meiner favorisierten Autoren besitzt allein Herr Fitzek. Er führt seine Leser so geschickt an der Nase herum, dass sie sich Schritt für Schritt von der einfachsten Lösung entfernen und sich die Hinweise so zurechtlegen, dass es bestimmt nicht zur richtigen Antwort führt.

Zudem ist “Splitter” wieder hervorragend recherchiert. Ein Buch wie dieses wäre ohne den medizinischen und psychologischen Background auch unglaubwürdig. Die Erklärungen der harten Fakten sind so gut in die Handlung eingebaut, dass es weder langatmig noch belehrend wirkt.

Ich kann “Splitter” jedem ans Herz legen, der intelligente Unterhaltung sucht, die einen in vollkommen andere Welten entführt – und dabei hetzt Herr Fitzek den lieben Marc nur durch Berlin…

Ach ja, lieber Sebastian, eine Frage habe ich aber noch: Du hattest vorher ein anderes Ende im Kopf. Besteht eine Chance, dass wir Leser jemals von diesem alternativen Ende erfahren? 🙂

Bochum bricht den Serienmörder-Rekord

Eine Zeitungsente? Beileibe nicht. Denn die Untersuchung ist von Sebastian Fitzek persönlich durchgeführt worden. Vielleicht kennt ja der eine oder andere das Experiment dazu. Folgender Sachverhalt:

Eine Frau ist auf der Beerdigung ihrer Mutter. An einem Baum in der Nähe lehnt ein Mann, der ihr auffällt, sie findet ihn attraktiv. Als sie ihn nach der Beerdigung ansprechen möchte, ist er verschwunden. 2 Wochen später bringt die Frau ihre Schwester um. Warum?

Na? Geht mal tief in euch und befragt eure Logik. Ich habe die Logik eines Serienmörders, so viel sei schon mal verraten. Aber ich war in guter Gesellschaft, denn Bochum hat den Rekord auf der Lesetour von Sebastian Fitzek gebrochen. Damit ist übrigens auch die Theorie bestätigt, dass sich Urböse hier wohlfühlen, wir den Höllenschlund gebunkert haben und wen würde ein Time Rift wundern? Mich nach diesem Abend jedenfalls nicht mehr. Immerhin gibt es in Bochum sogar Countdownampeln… sehr zum Erstaunen von Herrn Fitzek *g

Ich war das erste Mal in meinem Leben auf einer Autorenlesung und wurde nicht enttäuscht. Sebastian Fitzek hat mit lockerem Geplauder über diverse Peinlichkeiten seines Lebens den Bogen zum “Splitter” geschlagen, ohne dass es aufdringlich oder zu auffällig gewesen wäre. Ich hätte seinen Erzählungen noch stundenlang lauschen können, denn wie sagte er selbst? “Ich erzähle gerne Geschichten.” Und die Geschichten werden dann richtig interessant, wenn er von den verhaltensauffälligen Menschen wie Frutti und Herrn Haberland (klingelts?) erzählt. Ich bin froh, dass ich keinen Frutti in meinem Umfeld habe – glaube ich. Oder ich habe nur langweilige Menschen um mich. Jedenfalls kam noch keiner auf die Idee, mich mit einem gefakten Beathe Uhse-Brief oder einem Fax a la “Hoffe, du hast einen schönen Urlaub mit deiner Sekretärin, deine Frau hat heute ein gesundes Kind entbunden” in peinliche Situationen zu bringen *grinsen muss* Ach übrigens: ich habe selbst einen Kontrollzwang. Aber Herr Haberlands Wege, diesen zu kompensieren sind weitaus kreativer als meine 😉

Natürlich wurde Sebastian Fitzek auch über sein Handwerk ausgequetscht. Ich fragte mich unwillkürlich, ob er “On Writing” von Stephen King gelesen hat. Jedenfalls scheinen die richtig guten Autoren auf einer Wellenlänge zu liegen. Nur, wer viel liest, wird gut schreiben können. Gute Ideen hopsen dich an und deine Charaktere entwickeln schnell ein Eigenleben. Es ist zweitrangig, ihr Äußeres bis ins kleinste Detail zu beschreiben, viel wichtiger ist die Charakterisierung. Ein Leser muss verstehen, warum ein Charakter gerade so handelt, wie er handelt. Sonst hat der Autor versagt. Danke, dass dies heute einmal von einem “Profi” festgehalten worden ist! Ich dachte schon, ich bin mit meiner Hausgebrauchschreiberei auf dem falschen Dampfer…

Und an dieser Stelle noch Neuigkeiten aus dem Hause Fitzek: Der Seelenbrecher geht in die Verfilmung und eine neue Idee hat Sebastian auch schon in der Schublade bzw. sein Exposé schon fertig. “Der Augensammler” heißt die Idee – und ich werde gebannt warten, in welche Welten ich wieder entführt werden werde…

Danke an Sebastian Fitzek für einen rundum gelungenen Abend!

Ach ja… und so sieht ein Autor in Aktion aus. Ein wenig unscharf, aber ich wollte ohne Blitzlicht knipsen, was ich als höflicher empfand…