Archiv für den Monat: Februar 2010

Der verwaiste Thron, Teil 01 “Sturm” von Claudia Kern

Fantasy von einer deutschen Autorin. Kann nicht klappen, werden viele sagen. Auch ich habe Fantasy von deutschen Autoren generell links liegen lassen – bis zur Ring*Con. Zugegeben, ich brauchte eine kleine Pause an dem Tag und das war der vorrangige Grund, weswegen ich den Tipp, mir die Lesung von Claudia Kern anzuhören, angenommen habe. Und was soll ich sagen? Ich war sofort von der Geschichte gefangen, obwohl ich ja eigentlich so gar keine Ahnung hatte, worum es en detail geht. Aber erst einmal der Reihe nach.

Es ist Anas Geburtstag. Ana ist zufälligerweise die Fürstentochter von Somerstorm und damit ist eine etwas größere Party fällig. Somerstorm ist ein trostloser Ort, wie man als Leser schnell feststellt. Beeinflusst vom Wetter ist das Fürstentum im Winter von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Tatsache, die sich auf das gesamte Leben niederschlägt.
Die Geburtstagsfeierlichkeiten nehmen dann auch keinen guten Verlauf. Es wird von den Gästen gegen die Fürstenfamilie gepöbelt, was das Zeug hält, es ist offensichtlich, dass die Fürsten Somerstorms kein hohes Ansehen genießen.
Man könnte meinen, dass dies schon genug wäre, aber es kommt für Ana noch schlimmer. Nachtschatten greifen kann und metzeln buchstäblich alles nieder, was ihnen vor die Krallen kommt. Moment mal – Krallen? Richtig, denn wir reden hier immerhin von Nachtschatten. Nachtschatten sind keine Menschen, aber was sind sie dann? Sie können zwar in menschlicher Gestalt auftreten, aber sie haben das Tier in sich. Claudia Kern war hier geschickt und hat es vermieden, eine explizite Beschreibung der Nachtschatten vorzulegen. Man erfährt lediglich, dass die Nachtschatten Fell haben, nach Essig riechen, wenn sie ihre Gestalt wandeln, die bereits erwähnten Klauen haben und vor allem – blitzschnelle Reflexe und hochentwickelte Sinne haben. So bleiben aber die restlichen Details der äußeren Erscheindung der Phantasie des Lesers überlassen und vor allem läuft man dann nicht Gefahr, zwangsläufig die Werwölfe aus den alten Horrorfilmen vor Augen zu haben. Oder noch schlimmer – Michael J. Fox als Teenwolf.

Ana gelingt die Flucht zusammen mit ihrem Leibwächter Jonan. Ihr Bruder Gerrit bleibt auf der Festung zurück, die von den Nachtschatten belagert ist.

Was nun folgt, wird nicht weiter detailliert verraten. Nur so viel – auf der Flucht erleben Ana und Jonan so manch Überraschung, viele davon der nicht ganz netten Sorte. Und Gerrit versucht, sich mit den Nachtschatten zu arrangieren…

Ich habe schon länger kein Buch mehr in den Fingern gehabt, das auf ellenlange Beschreibungen verzichtet und brauchte deswegen ein bisschen, um mich an Claudias Stil zu gewöhnen. Denn gerade bei Fantasy neigen die Autoren ja dazu, jedes Blättchen der Fantasy-Flora zu beschreiben inklusive jeder Nanosekunde eines Sonnenaufgangs. Ebenso wird mit den Charakteren verfahren. Eigentlich. Bei Claudia ist der uneigentliche Fall eingetreten. Ein paar Details werden flüchtig erwähnt, aber dem Leser wird immer genügend Spiel für seine Phantasie gelassen. Und dennoch schafft sie es mühelos, es dem Leser zu ermöglichen, eine Beziehungen zu den Charakteren aufzubauen. Zu der verwöhnten Fürstentochter, die erst so gar nicht wirklich peilt, was Text ist, zum dem verkrüppelten Craymorus, dessen Welt grundsätzlich erst einmal aus Schmerz und mangelnder Mobilität besteht, Rickard, Fürstensohn von Westfall, Verlobter von Ana und der fast schon klassische Fall von “Nicht ganz so hell in der Birne”, Daneel, bei dem ich seitenlang darüber grübelte, was dieser Kerl beherrscht, das sein Umfeld so willenlos wird oder eben Jonan, der für mich reizvollste Charakter in dieser Geschichte.
Die Stärke von Claudia liegt definitiv darin, mit wenig Worten viel auszusagen. Unschöne Aspekte des Lebens werden nicht beschönigend beschrieben, allerdings werden hier einem auch unnötige Details erspart. Wenn ich lese, wie jemand getötet wird, brauche ich keine seitenlange Abhandlung darüber, wie das Blut in den Boden sickert oder wie fesch herausgerissene Gedärme aussehen.

Eine Schwäche habe ich allerdings gefunden. Ich hatte beim Lesen der Kampfszenen manchmal Mühe, mir ein Bild derselbigen zu machen. Die Grundidee habe ich immer verstanden, aber manchmal war mir der Kampfablauf nicht ganz so klar. Ein kleines Manko, wenn man bedenkt, dass der Lauf dieser Geschichte den einen oder anderen Kampf erfordert. Aber eben nur ein kleines.

Ich kann Sturm, den erste Teil der Trilogie Der verwaiste Thron jedenfalls denjenigen ans Herz legen, die gerne Fantasy lesen, bei der es in erster Linie eben nicht um den strahlenden Helden geht, der mal eben im Vorbeigehen eine ganze Welt rettet. Wer diese Bücher liest, muss sich teilweise auf deutliche Sprache einstellen, aber mal ehrlich – wir sind doch alle schon groß 😉

Avatar – Aufbruch nach Pandora

Seit Twilight ist wohl selten so ein Hype um einen Film wie um Avatar gemacht worden. Was natürlich zu einem daran liegt, dass James Cameron mal wieder einige Millionen Dollar für einen Film aufwenden ließ und zum anderen natürlich an der Marketing-Strategie. Von einem noch nie dagewesenen Filmerlebnis war da die Rede.
Nun habe ich das Problem, dass sich etwas in mir sperrt, wenn Filme so gehypt werden. Der Trailer von Avatar hat mich ehrlich gesagt nicht vom Hocker reißen können und ich hatte den Film eigentlich abgehakt. Stoffi hatte in ihrem Blog auch schon eine Meinung darüber gepostet, die mich eigentlich in dem Gedanken bestärkt hatte, um den Hype einen Bogen zu machen und James Cameron nicht auch noch etwas von meinem Geld zuzuschanzen.
Allerdings habe ich das andere Problem, dass der Filmgeschmack von meinem kleinen Hafen und mir so ziemlich immer übereinstimmen. Kurzum – ich bin gestern mit ihr im Kino gelandet, weil sie meinte, dass der Film mir doch gefallen könnte und wenn… man ihn dann in 3D genießen muss.
Die Story von Avatar sollte eigentlich bekannt sein, aber sie ist auf alle Fälle schnell erzählt. Ehemaliger Marine springt als Ersatz für seinen toten Zwillingsbruder für das Avatar-Projekt ein, weil so ein Avatar scheiße teuer ist und man nur mit dem Avatar eines Na’vi kommunzieren kann, wenn die DNA übereinstimmt. Schließlich ist so ein Avatar ja eine Mischung aus menschlicher und Na’vi-DNS – glaube ich *g. Die Na’vi sind ein Naturvolk auf dem Planeten Pandora und dummerweise gibt es auf diesem Planeten einen seeeeeehr teuren Stoff. Man sieht schon, für die üblichen Plots ist gesorgt, oder? Wir haben einen männlichen Helden, ein Naturvolk, böse böse Menschen und einen kleinen Schatz. Juchu 😉
Klingt nach einer platten Story – eigentlich. Uneigentlich ist es sie auch, sie ist so vorhersehbar wie eine gute alte Mary Sue, in diesem Falle ist es eben ein Gary Stu. Vor einigen Jahren hieß dieser Gary Stu im Kino noch Lt. John Dunbar und tanzte mit dem Wolf. Ein paar Jahre sind vergangen und deswegen darf der Avatar-Gary dann eben im Weltraum agieren. Ist ja auch etwas cooler als durch die Prärie zu reiten, oder? Denn auf Pandora ist mehr los als im Wilden Western und Fantasy-Welten geben dem 3D auch etwas mehr Spielraum.
Allerdings sind in Avatar ein paar Elemente eingebunden, die ich richtig gut fand. Denn die Na’vi leben in einer sogenannten neuronal vernetzten Welt. Da machte ihr toller laaaaanger geflochtener Zopf mit einem Male Sinn, denn mit dessen Hilfe docken sie quasi an Tiere und Pflanzen an, um so ein Band mit ihnen zu knüpfen. Und ist es nicht schöner, sich ein Tier gefügig zu machen, indem man mit seiner Seele kommuniziert als seinen Willen durch Prügel und Strafe zu brechen?
In diesem Punkt sind wohl viele alte religöse Elemente in den Film eingeflossen, den Respekt vor der Natur, vor dem Leben… und dem Glauben, dass die Toten uns immer noch umgeben. Das war so schön in den Film eingebunden, dass ich da echt mit leuchtenden Augen gesessen habe. Für einige mag das kitschig rüber gekommen sein, aber mir hat genau dieser Aspekt an dem Film sehr gut gefallen, eine Botschaft, auf die sich einige vielleicht doch mal besinnen sollten.
Aber gut. Wir haben die Botschaft vermittelt bekommen, was nun fehlt, ist ein wenig Äktschn. Wie bekommt man Äktschen? Richtig, man nehme ein paar raffgierige Menschen, vorzugsweise Soldaten, damit sie supercoole Fluggeräte bedienen können und schicke sie in den ungleichen Kampf Naturvolk mit Pfeil und Bogen gegen die technisierten Menschen. WOOF! Der letzte Teil des Filmes ist dadurch ziemlich actionreich, eigentlich auch nicht so mein Metier, ich fand Independence Day schon scheiße in der Beziehung (Wie besiegen wir Aliens? Logo, dank Bill Gates isses möglich, einen simplen Virus in ein hochentwickeltes System einzuschleusen, ja nee is klar?). Hier greift aber der nächste Punkt, warum mich Avatar jedoch wirklich gut unterhalten hat. WETA ist das Stichwort.
WETA sollte seit Lord of the Rings ein Begriff sein, denke ich. Es ist jedenfalls diese Kiwi-Firma, die geniale Spezialeffekte auf die Beine stellt. So genial, dass mir ein paar Mal der Mund vor Staunen offen stehen blieb, weil da so viele liebevolle Effekte eingebaut waren. Sei es nun ein Funkenflug, ein Ascheregen oder bis ins kleinste Detail ausgetüfelte schwebende Berge. Es mag wie ein sehr platter Spruch klingen, aber allein für die Landschaft, die WETA da mit erschaffen hat, war es den Film wert. Schlichtweg atemberaubend.
Was haben wir also? Eine Botschaft, wir haben Äktschn, wir haben Spezialeffekte und sogar ein paar witzige Momente in dem Film. Somit ein gelungenes Package, finde ich. Es reicht jedenfalls, dass ich mich für knappe drei Stunden gut unterhalten fühlte, einfach tolles Popcorn-Kino. Und mehr braucht der Mensch ja manchmal nicht, um vom Alltag abschalten zu können 🙂