„A gscheits Messer brauchst!“

Einkaufen stand heute an. Frisches Brot, damit ich nicht jeden Morgen zwangsläufig bei Butterbreze to go lande. Geht erstens ins Geld und zweitens kommt mir auch die leckerste Breze irgendwann zu den Ohren heraus. Der erste Bäcker ein Dorf weiter hatte ein leckeres Brot in der Auslage: „Brotzeitlaiberl“ hieß es und war von der Größe optimal für einen Single-Haushalt.

„Ich hätte gerne das Brotzeitlaiberl geschnitten, bitte!“ Stolz lächle ich die Verkäuferin an, da ich mittlerweile „Laiberl“ im ersten Anlauf sagen kann, ohne mir die Zunge zu verknoten.
„Gschnittn geht ned, mir hom kei Brotschneidmaschine“, lächelt es zurück.

Enttäuscht lasse ich das ungeschnittene Laiberl zurück und überlege, wo es in der Umgebung noch Bäckereien gibt, die a) nach 18 Uhr noch geöffnet ist und b) geschnitten Brot verkauft. Die beiden nicht an Supermärkte angesiedelten Bäckereien im meinem 9.000-Seelen-Dorf haben bereits geschlossen. Ha! Am Discounter ist noch eine, die bis 19 Uhr geöffnet hat. Bereits beim Reingehen fällt mir die leere Auslage auf.

„Grüß Gott, haben Sie noch Brot da?“
„Ja, an Schwarzwälder homma no!“
„Das nehme ich dann geschnitten bitte.“
Große Augen schauen mich über die Theke hinweg an. Brot? Geschnitten? Beim Bäcker?
„Mir hom kei Brotschneidmaschine!“
„Tut mir leid, dann kann ich es nicht gebrauchen.“
„Homs kei gscheits Messer ned?“

Ich zucke sparsam die Schultern, drehe mich um und verlasse fluchtartig die Bäckerei. Zurück ins Nachbardorf, wo ich schon das Laiberl nicht erwerben konnte. Der Backshop neben dem dortigen Discounter hat doch bestimmt…

„Grüß Gott, haben Sie eine Brotschneidemaschine?“
„Na, homma net. Brauchns eine?“
„Nun ja, ich hätte schon gerne geschnittenes Brot…“
Der ältere Herr, der sich um 18.45 Uhr noch einen Kaffee hinter die Binde kippt, stellt die Gretchenfrage:
„Homs kei gescheits Messer ned?“
Ich atme tief durch. „Doch. Aber ich kanns dennoch nicht.“
„Wo wohnens? Da kim i vorbei und schneids Eana.“ Er nennt den Namen des Dorfes, in dem ich mich gerade befinde.
Kurzfristig überlege ich, ihm den Kaffee einfach über den Kopf zu schütten. #coffeetogochallenge – gieße dir Kaffee über die Rübe oder schneide 2kg Brot per Hand. Ich belasse es aber bei einem neutralen „passt scho, danke auch“, gehe in den Discounter und erbeute ein geschnittenes Discounterbrot, das traurig in seinem Plastikbeutel auf einen Käufer wartet.

Im Auto komme ich nicht umhin, meinen Freunden via Facebook von der Geschichte zu erzählen. Die bayrische Freundesfront amüsiert sich prächtig, ob meines Unvermögens, mit der Hand gleichmäßige Scheiben zu schneiden. Eine hat sogar einen Rat:

„Brauchst bloß a gscheits Messer!“

2 Gedanken zu „„A gscheits Messer brauchst!“

  1. Karin Hetzer

    Liebe Kathrin, beim Lesen deiner Geschichte musste ich auch schmunzeln. Ich wundere mich nur, dass du unbedingt geschnittenes Brot kaufen wolltest. Trocknet das dann nicht all zu schnell aus? Ich kaufe immer halbe Brote, von denen ich nur das abschneide, was ich brauche. Den Rest lege ich – eingewickelt in der Papiertüte – in den Ofen. Dort hält es sich ein paar Tage frisch.
    Das Schneiden an sich ist aber tatsächlich eine Kunst. Meine Eltern hatten eine Maschine, die man mit der Hand kurbelte. Ich gebe mit dem Brotmesser mein Bestes, und wenn die Scheibe mal etwas schief wird, macht’s mir auch nichts.
    Was ich mal beim Pfister mitbekommen habe: Eine Kundin vor mir bat um ein geschnittenes Brot – aber die Scheiben sollten exakt 4,5 Millimeter dick sein. Als ob das dann besser schmecken würde als beim Standardschnitt ;-))

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    1. KathysSong Artikelautor

      Liebe Karin,

      geschnitten musste es sein, dass ich aus einem Haushalt stamme, in dem es immer eine Brotschneidemaschine gab. Mit dem Messer werden die Scheibe arg unterschiedlich dick und vor allem schief :) Da bin ich einfach pingelig, eine Brotscheibe muss für mich leidlich gleichmäßig sein. Ich werde woh einfach üben müssen – mit a gscheitem Messer 😀

      Grüße,
      Katrin (ohne H 😉 )

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