Alles wird gut.

Vor einem Jahr hatte ich eine Woche in meinem Leben, die jede andere Woche bisher getoppt hat. Und das, geneigter Leser, schließt sogar die Woche zwischen dem Tod meines Vaters und seiner Beerdigung mit ein. Was war passiert?

Vor meinem Jahr war ich für ein verlängertes Wochenende in München, um meinem Cousin und seiner Familie beim Umzug zu helfen. Es war ein schönes Wochenende. Tiefenentspannt machte ich mich auf den Heimweg. Und da sollte es passieren. Als ich mein Auto aus der Tiefgarage holen wollte, musste ich natürlich das Wochenendticket bezahlen. Als ich so am Automaten stand, dröhnte mir Mono Inc. vom iPhone aus auf die Ohren. Als ich gerade das bezahlte Ticket aus dem Automaten ziehen wollte, war etwas anders. Kein Mono Inc. mehr auf den Ohren. In die Tasche gegriffen, weil ich dachte, es käme ein Anruf rein – nix in der Tasche. Lange Rede, kurzer Sinn: Während ich mein Ticket bezahlte, hat mir jemand das iPhone aus der Manteltasche gezockt. Von der Anzeige bei der Polizei habe ich übrigens nie ein Feedback bekommen.

Als ich zwei Tage später dann bei der Arbeit war, war etwas anders. Lange Rede, kurzer Sinn: an dem Tag habe ich die Kündigung in die Hand gedrückt bekommen.

Am Wochenende dann hatte ich Frühdienst in der ambulanten Pflege. Als ich eine Kundin auffing, die Anstalten machte, in ihren Nachttisch zu fallen, hebelte es meinen kleinen Finger aus und nach dem Feierabend konnte ich dann erst mal ins Krankenhaus. Ergebnis:

Fingerbruch

Mein Facebook-Post für dieses Bild lautete: “Immer, wenn du denkst, eine Woche kann nicht mehr schlimmer werden.”
Ich war bedient. Restlos bedient. Ich wollte schreien, weinen, mit den noch gesunden Fingern auf den Boden trommeln und alle Welt dafür anklagen, dass sie sich elendig gegen mich verschworen hat. In Selbstmitleid wollte ich baden. Warum immer ich? Reichten Job weg und Telefon weg nicht? Muss dazu noch ein gebrochener Finger kommen?!

Heute, 365 Tage später, hat sich einiges geändert. Ich habe einen neuen Job. Der Finger ist verheilt und dank meiner Physiotherapeutin auch so beweglich wie vor dem Bruch. Ach ja, ein neues iPhone habe ich auch. Und vor allem: Heute kann ich mit Abstand auf die wohl schlimmste Woche in meinem Leben blicken. Jetzt weiß ich, wozu sie gut war. Denn sie war ja der Auslöser dafür, dass ich beschlossen habe, unter mein bisheriges Leben einen Schlussstrich zu ziehen und einfach mal auf Neustart zu drücken.

Wer dieses Blog länger verfolgt, weiß, dass der Neustart geglückt ist. Mir geht es gut. Alles ist gut. Und die Lehre aus der Woche? Durchhalten. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem du weißt, warum du immer wieder aufstehst, wenn dir das Leben ein Beinchen gestellt hat. Mit dieser Gewissheit lässt es sich doch entspannter leben…

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