Kategorie-Archiv: Buch

Rezension: Claudia Kern – Sissi, die Vampirjägerin

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Sissi – Die Vampirjägerin von Claudia Kern

 

Wien, im Februar 1853. Auf den Kaiser Österreichs, Franz Joseph I., wird ein Anschlag verübt. Den wahren Grund für diesen Anschlag werden seine Untertanen jedoch nie erfahren – Franz Joseph I. ist ein Vampir.
Genau das Wesen, das die Familie um Herzog Max in Bayern bekämpft und zu dessen Vernichtung die Töchter Helene und Elisabeth einer speziellen Ausbildung unterzieht. Als Helene von Franz Joseph in die Sommerresidenz nach Bad Ischl eingeladen wird, scheint der Plan perfekt. Wäre da nicht Elisabeth, die ihren Kopf durchsetzt und gegen den Willen der Familie ebenfalls nach Bad Ischl reist, um dort sämtliche Pläne unbeabsichtigt über einen Haufen zu werfen – verliebt sie sich doch in Franz Joseph. Weiterlesen

Rezension: “Rückenwind” von Max Urlacher

Anton und Tobias sind Freunde. Die besten Freunde. Und Max Urlacher begleitet diese Freundschaft vom ersten Aufeinandertreffen als Kinder bis zum Erwachsenwerden.

So oder so ähnlich könnte man in wenigen Sätzen die Handlung dieses Romans zusammenfassen. Der Untertitel zu “Rückenwind” lautet “Eine Liebesgeschichte”, was erst irritiert, aber beim genaueren Hinsehen sehr treffend ist. Es geht um die Liebe. Die freundschaftliche Liebe zwischen Tobias und Anton. Die große Liebe, die Anton langsam, aber sicher in die Verzweiflung treibt. Die Liebe, die Liebe aus Gewohnheit ist wie die zwischen Großmutter und Großvater Fitz. Und um die Liebe zum Leben selbst.
Wir lernen Anton als ein kleinen Sonderling kennen, er ist ein Tagträumer, der keinen wirklichen Kontakt zu den Kindern in seiner Nachbarschaft hat und sich aber dennoch Tobias, den coolsten Jungen aus der Nachbarschaft, zu seinem besten Freund auserkoren hat. Er schafft es, die Freundschaft von Tobias zu gewinnen – mit einem Nutellabrötchen. Die Mutter von Tobias ist tot, der Vater viel auf Geschäftsreisen und so genießt Tobias es, in die Familie Fitz aufgenommen zu werden. Besonders zum Großvater entwickeln die Jungen eine innige Beziehung.
Während Tobias der scheinbare Siegertyp ist – angehimmelt von den Mädchen, erfolgreicher Fußballspieler -, ist Anton der unscheinbare “Ach, du bist der Freund von Tobias?”. Anton hat aber einen Traum: er möchte Schauspieler werden. Und so gehen die Lebenswege von Anton und Tobias dann scheinbar in entgegengesetzte Richtungen; wäre da nicht die tiefe Freundschaft, die beide verbindet.
Es ist schwierig, genug von diesem Buch zu erzählen, ohne zuviel davon zu verraten, aber dennoch neugierig darauf zu machen. Die Handlung nimmt dann doch überraschende Wendungen ein, allerdings nicht so überraschend, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, sie wären an den Haaren herbei gezogen worden. Dazu bedient sich Max Urlacher eines tragikomischen Tons, den ich sehr liebe. Musste ich auf einer Seite noch arg über Antons verquere Denke lachen, gabs auf der nächsten Seite schon einen kleinen Tiefschlag. Die Dramatik nimmt im Verlauf der Geschichte stetig zu, driftet jedoch nie auf die Soap-Dramatik-Schiene ab und bewahrt bis zum Schluss ihr Augenzwinkern.
Dieser tolle Stil Urlachers gepaart mit einigen “Haaaach!”-Momenten (Anton und Max sind Anfang der 70er geboren und Max Urlacher bringt so viele Erinnerungen an meine eigene Kindheit und Teenie-Zeit hoch) machen “Rückenwind” zu einem Buch, das ich nur wärmstens ans Herz legen kann.
Eine Hommage an die Liebe – und eine Hommage an beste Freunde.

Rezension: “Das Affenhaus” von Sara Gruen

Isabel Duncan ist eine Forscherin. Sie hat den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Erforschung der sprachlichen Fähigkeiten von Bonobos gelegt. Die Menschenaffen sind in der Lage, die Menschen zu verstehen und sich ihnen mit Hilfe der Gebärdensprache mitzuteilen. Der Journalist John Thigpen besucht die Forschungseinrichtung, um einen Artikel über die Affen zu schreiben. Noch am selben Abend wird das Labor von einer Explosion erschüttert, bei der Isabel schwer verletzt wird. Es ist ein Anschlag verübt worden, der den Auftakt für perfide Verwicklungen bildet.
So lässt sich die Handlung von Sara Gruens “Das Affenhaus” relativ schnell zusammenfassen. Im ersten Moment verspricht die Inhaltsangabe vielleicht einen Thriller und die ersten hundert Seiten steuern auch straff darauf zu. Die Geschichte schlägt ein hohes Tempo an, dennoch nimmt sich Sara Gruen Zeit, dem Leser das Verhalten der Bonobos näher zu bringen und die wichtigen Charaktere für die Geschichte zu beschreiben.
Da ist Isabel, eine ehrgeizge, aber warmherzige Wissenschaftlerin, die ihre Kindheit und Jugend damit verbracht hat, sich auf zukünftige Stipendien vorzubereiten, um dem Elternhaus zu entfliehen. Ihre Bindung an die Bonobos ist sehr eng, teilweise hat man den Eindruck, die Affen sind ihr wichtiger als Menschen. Zu Beginn der Geschichte befindet Isabel sich in einer Beziehung mit Peter, der ebenfalls für die Forschungseinrichtung tätig ist.
John Thigpen ist ein talentierter Journalist, der sich konsequent auf die Begegnung mit dem Bonobos vorbereitet hat. Er bringt ihnen Rucksäcke mit Geschenken mit und ist fasziniert, wie gut die Kommunikationsmöglichkeiten mit ihnen sind. Verheiratet ist John mit seiner Collegeliebe Amanada, die gerade mit einem Misserfolg hadert – Amanda ist Autorin und die Veröffentlichung ihres ersten Romans floppte.
Als letzten tragenden Charakter wäre da noch Celia, welche die Position der Rebellin mit Herz einnimmt. Mit fuchsienroten Haaren und ihren ganz eigenen Ansichten setzt sie sich über so manche Regel hinweg.
Das alles klingt nach einer vielversprechenden Mischung, aber leider flaut die Geschichte schon zur Mitte hin ab. Das liegt nicht daran, dass der Spannungsbogen nicht existent wäre, schließlich erfolgt die Explosion bereits im ersten Viertel des Buches und der Leser steht erst vor einem Rätsel, welche Motivation hinter dem Anschlag steht und was mit den Bonobos geschieht. Schnell stellt sich dann heraus, dass die Menschenaffen für eine Art Big Brother herhalten müssen. Die Sendung wird von einem Pornomogul produziert, dessen Interesse an den Bonobos durch deren ungezwungenes Ausleben der Libido geweckt worden ist.
Nun könnte man meinen, dass die Bonobos das Hauptaugenmerk der Geschichte bilden. Leider nein. Sara Gruen hat das Gewicht der Handlung klar auf John Thigpen gelegt und Handlungsstränge um ihn gestrickt, die unnötig sind. Warum John sich auf einmal in ein Mafianest verirrt, das später dann auch noch in die Luft fliegt oder warum ein weiterer Nebencharakter sein potentieller Sohn aus einem One Night Stand zu wilden College-Drangzeiten sein könnte, weiß nur Sara Gruen allein. Für mich war leider nicht ersichtlich, was diese Erzählstränge mit der Haupthandlung zu haben sollen.
Ebensolches Gewicht legt Sara Gruen auf die drohende Ehekrise von John und Amanda. Amanda ist nach dem Flop ihres Romans mutlos und findet schließlich einen Job als Drehbuchautorin in LA. Dass dieses Umfeld sie gewaltig verändert, ist vorhersehbar. Allerdings fand ich es erstaunlich, dass eine Frau wie Amanda, die sich vorher noch so gegen ihre eigene Mutter auflehnt, sich in LA verformen lässt wie ein Püppchen ohne IQ. Das passte nicht so ganz auf ihre Charakterisierung.
Isabel hat partielle Mary Sue-Eigenschaften. Nach der Explosion hat sie mit deren gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Zwar hat sie durch die Explosion auch ein schweres Trauma erlitten, aber für sie sind die Bonobos so wichtig, dass alles schnell ins Hintertreffen gerät. Irgendwie erweckt Isabel den Eindruck eines armen, vom Schicksal sehr gebeutelten Mädchens, das nur aus einem Grund lebt – zur Rettung der Bonobos. Es gibt Momente in der Geschichte, in denen sie so überzogen dargestellt wird, dass sie mir schon unsympathisch wurde. Ich wage mal zu bezweifeln, dass dies in der Intention von Sara Gruen lag…
Stilistsch gibt es an “Das Affenhaus” allerdings nichts auszusetzen. Sara Gruen zeichnet wunderbare Bilder im Kopf des Lesers und die Idee, einzelne Abschnitte aus Sicht der Bonobos zu schreiben, ist ein Volltreffer. Davon hätte ich über die Geschichte hinweg gerne mehr gelesen. Leider verzettelt sich Sara Gruen dann aber in den erwähnten Nebenhandlungssträngen, die nichts zur Haupthandlung beitragen.
Insgesamt ein guter Ansatz für eine hervorragende Idee, bei der es schade ist, dass sie in vermeintlich tollen Nebenhandlungen untergeht.
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“Das Affenhaus” von Sara Gruen ist am 11. März 2011 unter der ISBN 9783463406022beim Kindler-Verlag erschienen. Nähere Info gibt es hier.

Der verwaiste Thron, Teil 01 “Sturm” von Claudia Kern

Fantasy von einer deutschen Autorin. Kann nicht klappen, werden viele sagen. Auch ich habe Fantasy von deutschen Autoren generell links liegen lassen – bis zur Ring*Con. Zugegeben, ich brauchte eine kleine Pause an dem Tag und das war der vorrangige Grund, weswegen ich den Tipp, mir die Lesung von Claudia Kern anzuhören, angenommen habe. Und was soll ich sagen? Ich war sofort von der Geschichte gefangen, obwohl ich ja eigentlich so gar keine Ahnung hatte, worum es en detail geht. Aber erst einmal der Reihe nach.

Es ist Anas Geburtstag. Ana ist zufälligerweise die Fürstentochter von Somerstorm und damit ist eine etwas größere Party fällig. Somerstorm ist ein trostloser Ort, wie man als Leser schnell feststellt. Beeinflusst vom Wetter ist das Fürstentum im Winter von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Tatsache, die sich auf das gesamte Leben niederschlägt.
Die Geburtstagsfeierlichkeiten nehmen dann auch keinen guten Verlauf. Es wird von den Gästen gegen die Fürstenfamilie gepöbelt, was das Zeug hält, es ist offensichtlich, dass die Fürsten Somerstorms kein hohes Ansehen genießen.
Man könnte meinen, dass dies schon genug wäre, aber es kommt für Ana noch schlimmer. Nachtschatten greifen kann und metzeln buchstäblich alles nieder, was ihnen vor die Krallen kommt. Moment mal – Krallen? Richtig, denn wir reden hier immerhin von Nachtschatten. Nachtschatten sind keine Menschen, aber was sind sie dann? Sie können zwar in menschlicher Gestalt auftreten, aber sie haben das Tier in sich. Claudia Kern war hier geschickt und hat es vermieden, eine explizite Beschreibung der Nachtschatten vorzulegen. Man erfährt lediglich, dass die Nachtschatten Fell haben, nach Essig riechen, wenn sie ihre Gestalt wandeln, die bereits erwähnten Klauen haben und vor allem – blitzschnelle Reflexe und hochentwickelte Sinne haben. So bleiben aber die restlichen Details der äußeren Erscheindung der Phantasie des Lesers überlassen und vor allem läuft man dann nicht Gefahr, zwangsläufig die Werwölfe aus den alten Horrorfilmen vor Augen zu haben. Oder noch schlimmer – Michael J. Fox als Teenwolf.

Ana gelingt die Flucht zusammen mit ihrem Leibwächter Jonan. Ihr Bruder Gerrit bleibt auf der Festung zurück, die von den Nachtschatten belagert ist.

Was nun folgt, wird nicht weiter detailliert verraten. Nur so viel – auf der Flucht erleben Ana und Jonan so manch Überraschung, viele davon der nicht ganz netten Sorte. Und Gerrit versucht, sich mit den Nachtschatten zu arrangieren…

Ich habe schon länger kein Buch mehr in den Fingern gehabt, das auf ellenlange Beschreibungen verzichtet und brauchte deswegen ein bisschen, um mich an Claudias Stil zu gewöhnen. Denn gerade bei Fantasy neigen die Autoren ja dazu, jedes Blättchen der Fantasy-Flora zu beschreiben inklusive jeder Nanosekunde eines Sonnenaufgangs. Ebenso wird mit den Charakteren verfahren. Eigentlich. Bei Claudia ist der uneigentliche Fall eingetreten. Ein paar Details werden flüchtig erwähnt, aber dem Leser wird immer genügend Spiel für seine Phantasie gelassen. Und dennoch schafft sie es mühelos, es dem Leser zu ermöglichen, eine Beziehungen zu den Charakteren aufzubauen. Zu der verwöhnten Fürstentochter, die erst so gar nicht wirklich peilt, was Text ist, zum dem verkrüppelten Craymorus, dessen Welt grundsätzlich erst einmal aus Schmerz und mangelnder Mobilität besteht, Rickard, Fürstensohn von Westfall, Verlobter von Ana und der fast schon klassische Fall von “Nicht ganz so hell in der Birne”, Daneel, bei dem ich seitenlang darüber grübelte, was dieser Kerl beherrscht, das sein Umfeld so willenlos wird oder eben Jonan, der für mich reizvollste Charakter in dieser Geschichte.
Die Stärke von Claudia liegt definitiv darin, mit wenig Worten viel auszusagen. Unschöne Aspekte des Lebens werden nicht beschönigend beschrieben, allerdings werden hier einem auch unnötige Details erspart. Wenn ich lese, wie jemand getötet wird, brauche ich keine seitenlange Abhandlung darüber, wie das Blut in den Boden sickert oder wie fesch herausgerissene Gedärme aussehen.

Eine Schwäche habe ich allerdings gefunden. Ich hatte beim Lesen der Kampfszenen manchmal Mühe, mir ein Bild derselbigen zu machen. Die Grundidee habe ich immer verstanden, aber manchmal war mir der Kampfablauf nicht ganz so klar. Ein kleines Manko, wenn man bedenkt, dass der Lauf dieser Geschichte den einen oder anderen Kampf erfordert. Aber eben nur ein kleines.

Ich kann Sturm, den erste Teil der Trilogie Der verwaiste Thron jedenfalls denjenigen ans Herz legen, die gerne Fantasy lesen, bei der es in erster Linie eben nicht um den strahlenden Helden geht, der mal eben im Vorbeigehen eine ganze Welt rettet. Wer diese Bücher liest, muss sich teilweise auf deutliche Sprache einstellen, aber mal ehrlich – wir sind doch alle schon groß 😉

Splitter – Sebastian Fitzek

Ich habe mir fest vorgenommen, über die Bücher zu berichten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Da ich mit der Umprogrammierung der Homepage allerdings noch nicht so weit bin, wird es heute mal im LJ geschehen *g

Seit kurzem ist der neue Thriller von Sebastian Fitzek auf dem Markt – Splitter. Ich bin, was Herrn Fitzek angeht, nicht anz objektiv, da er letztes Jahr mit seinem Thriller “Der Seelenbrecher” mein Herz im Sturm erobert hat. Was mit einem “Mal sehen, vielleicht ist das Buch ja wirklich was”-Kauf anfing, wuchs sich schnell zu einer… nun, ich werde das Wort wirklich benutzen… Sucht aus. “Der Seelenbrecher” war im einem Tag durchgelesen, ebenso wie seine anderen Thriller “Amokspiel”, “Die Therapie” und “Das Kind”.

Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an sein neuestes Werk. Wie immer ist die Plotidee zu diesem Buch außergewöhnlich. Marc Lucas, Hauptcharakter des Thrillers, ist einem Punkt in seinem Leben, an dem es scheinbar nicht mehr schlimmer kommen kann. Seine schwangere Frau Sandra ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, den Marc verschuldet hat. Was kann also schlimmer sein, als mit dieser Schuld, Trauer und Verzweiflung zu leben? Und hier setzt Sebastian Fitzek an einem Punkt an, der äußerst faszinierend ist.
Haben wir uns alle nicht schon mal gewünscht, Erinnerungen vergessen zu können? Gerade diejenigen, die uns noch heute die Schamesröte ins Gesicht treiben? Oder diejenigen, die immer noch so schmerzen, dass es uns das Herz zusammen zieht? Seien wir ehrlich: wir alle haben diesen Gedanken schon einmal gehegt, oder?

Genau dieses Angebot bekommt Marc. Es wäre allerdings zu einfach, wenn nur die Erinnerung an den Unfall ausgelöscht würde. Vielmehr müßte bei Marc Format C betrieben werden, um die Festplatte danach neu zu bestücken – das ist übrigens kein Bild, das mir gerade eingefallen sind, sondern genauso wird es im Buch beschrieben.
Marc ist skeptisch – verständlicherweise. Wer würde schon diesen Versuch wagen. Eine Totalamnesie für das Auslöschen einer einzigen Erinnerung, egal wie schrecklich sie auch sein mag? Ist der Preis nicht zu hoch? Marc bittet sich Bedenkzeit aus und kehrt zu seiner Wohnung zurück. Und genau dort beginnt der Alptraum.

Ich habe dieses Buch wie die anderen Thriller in einem knappen Tag durchgelesen. Sebastian Fitzek versteht es, seinen Leser bei der Stange zu halten und so weit zu treiben, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, weil man wissen möchte, was noch alles mit Marc geschehen wird. Ich habe mich beim Lesen problemlos in Marc hineinversetzen können und war genauso verunsichert wie er, wer in diesem ganzen Spielchen, das mit ihm getrieben wird, denn nun Freund oder Feind ist.

Die Charaktere werden nach und nach auf den Höhepunkt in diesem Drama getrieben und die Auflösung ist – gelinde gesagt – eine Überraschung. Ich habe mit vielem gerechnet, mir verschiedene Szenarien vorgestellt, aber auf diese Lösung war ich nicht vorbereitet. “Reingefallen”, dachte ich mir. Denn beim Lesen habe ich (mal wieder) die Hinweise überlesen, die auf die Auflösung schließen lassen. Mal hier ein Nebensatz, dort eine Rückblende – und trotzdem habe ich die Puzzlestücke zielsicher falsch zusammengesetzt. Diese Fähigkeit meiner favorisierten Autoren besitzt allein Herr Fitzek. Er führt seine Leser so geschickt an der Nase herum, dass sie sich Schritt für Schritt von der einfachsten Lösung entfernen und sich die Hinweise so zurechtlegen, dass es bestimmt nicht zur richtigen Antwort führt.

Zudem ist “Splitter” wieder hervorragend recherchiert. Ein Buch wie dieses wäre ohne den medizinischen und psychologischen Background auch unglaubwürdig. Die Erklärungen der harten Fakten sind so gut in die Handlung eingebaut, dass es weder langatmig noch belehrend wirkt.

Ich kann “Splitter” jedem ans Herz legen, der intelligente Unterhaltung sucht, die einen in vollkommen andere Welten entführt – und dabei hetzt Herr Fitzek den lieben Marc nur durch Berlin…

Ach ja, lieber Sebastian, eine Frage habe ich aber noch: Du hattest vorher ein anderes Ende im Kopf. Besteht eine Chance, dass wir Leser jemals von diesem alternativen Ende erfahren? 🙂

Bochum bricht den Serienmörder-Rekord

Eine Zeitungsente? Beileibe nicht. Denn die Untersuchung ist von Sebastian Fitzek persönlich durchgeführt worden. Vielleicht kennt ja der eine oder andere das Experiment dazu. Folgender Sachverhalt:

Eine Frau ist auf der Beerdigung ihrer Mutter. An einem Baum in der Nähe lehnt ein Mann, der ihr auffällt, sie findet ihn attraktiv. Als sie ihn nach der Beerdigung ansprechen möchte, ist er verschwunden. 2 Wochen später bringt die Frau ihre Schwester um. Warum?

Na? Geht mal tief in euch und befragt eure Logik. Ich habe die Logik eines Serienmörders, so viel sei schon mal verraten. Aber ich war in guter Gesellschaft, denn Bochum hat den Rekord auf der Lesetour von Sebastian Fitzek gebrochen. Damit ist übrigens auch die Theorie bestätigt, dass sich Urböse hier wohlfühlen, wir den Höllenschlund gebunkert haben und wen würde ein Time Rift wundern? Mich nach diesem Abend jedenfalls nicht mehr. Immerhin gibt es in Bochum sogar Countdownampeln… sehr zum Erstaunen von Herrn Fitzek *g

Ich war das erste Mal in meinem Leben auf einer Autorenlesung und wurde nicht enttäuscht. Sebastian Fitzek hat mit lockerem Geplauder über diverse Peinlichkeiten seines Lebens den Bogen zum “Splitter” geschlagen, ohne dass es aufdringlich oder zu auffällig gewesen wäre. Ich hätte seinen Erzählungen noch stundenlang lauschen können, denn wie sagte er selbst? “Ich erzähle gerne Geschichten.” Und die Geschichten werden dann richtig interessant, wenn er von den verhaltensauffälligen Menschen wie Frutti und Herrn Haberland (klingelts?) erzählt. Ich bin froh, dass ich keinen Frutti in meinem Umfeld habe – glaube ich. Oder ich habe nur langweilige Menschen um mich. Jedenfalls kam noch keiner auf die Idee, mich mit einem gefakten Beathe Uhse-Brief oder einem Fax a la “Hoffe, du hast einen schönen Urlaub mit deiner Sekretärin, deine Frau hat heute ein gesundes Kind entbunden” in peinliche Situationen zu bringen *grinsen muss* Ach übrigens: ich habe selbst einen Kontrollzwang. Aber Herr Haberlands Wege, diesen zu kompensieren sind weitaus kreativer als meine 😉

Natürlich wurde Sebastian Fitzek auch über sein Handwerk ausgequetscht. Ich fragte mich unwillkürlich, ob er “On Writing” von Stephen King gelesen hat. Jedenfalls scheinen die richtig guten Autoren auf einer Wellenlänge zu liegen. Nur, wer viel liest, wird gut schreiben können. Gute Ideen hopsen dich an und deine Charaktere entwickeln schnell ein Eigenleben. Es ist zweitrangig, ihr Äußeres bis ins kleinste Detail zu beschreiben, viel wichtiger ist die Charakterisierung. Ein Leser muss verstehen, warum ein Charakter gerade so handelt, wie er handelt. Sonst hat der Autor versagt. Danke, dass dies heute einmal von einem “Profi” festgehalten worden ist! Ich dachte schon, ich bin mit meiner Hausgebrauchschreiberei auf dem falschen Dampfer…

Und an dieser Stelle noch Neuigkeiten aus dem Hause Fitzek: Der Seelenbrecher geht in die Verfilmung und eine neue Idee hat Sebastian auch schon in der Schublade bzw. sein Exposé schon fertig. “Der Augensammler” heißt die Idee – und ich werde gebannt warten, in welche Welten ich wieder entführt werden werde…

Danke an Sebastian Fitzek für einen rundum gelungenen Abend!

Ach ja… und so sieht ein Autor in Aktion aus. Ein wenig unscharf, aber ich wollte ohne Blitzlicht knipsen, was ich als höflicher empfand…