Das war der #RundgangDachau

“Und? Was machst am Wochenende?” – “Etwas ganz Stimmungshebendes: Ich bin bei der Gedenkstätte Dachau.” – “Oh.”

Diese Reaktion bekam ich nicht nur einmal. Mein Umfeld äußerte sich erstaunt darüber, dass ich am Samstag zum #RundgangDachau gehen wollte. Dabei hatte ich ziemlich einfache Gründe: Ich war noch nie bei der Gedenkstätte – und durch den Rundgang würde Steffen Jost führen. Ihn habe ich durch die liebe Siktwin kennengelernt. Und damit wusste ich: Der Rundgang würde interessant werden.

Spontan hatte ich noch eine liebe Begleitung gefunden, mit der es Samstag gen Dachau ging. Meine Begleitung war schon mal bei der Gedenkstätte Buchenwald. Für mich sollte es die erste – nun, wie drückt man es am besten aus? – Berührung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte sein. Der Rundgang war als Tweetwalk angelegt; die damit dringendste Frage für mich war, wie wir es handhaben würden. Twitternd über die Gedenkstätte laufen? Jedes noch so kleine Detail knipsen? Nun denn. Steffen wäre nicht Steffen, hätte er nicht eine Antwort auf diese Frage gehabt – der Rundgang würde kleine Aufgabenstellungen beinhalten. Famos. So konnte ich ihm zuhören und während der Aufgabenstellungen meine Ergebnisse auf Twitter präsentieren. Eine perfekte Lösung. Denn Steffen hat während des Rundgangs so viel Interessantes erzählt, dass ich ihm viel lieber zuhörte, als einen Teil seiner Erzählungen protokollartig ins Netz zu zwitschern.

Zwar konnte ich jetzt auch hier die Fakten runterrasseln, aber dafür lege ich doch lieber den Wiki-Eintrag ans Herz – oder auch mal einen geführten Rundgang. Wir gingen den Weg der Häftlinge ab. Vom Eintreffen über den Gang durch das berühmt berüchtigte Tor mit der “Arbeit mach frei”-Inschrift durch das Wirtschaftsgebäude, wo die Häftlinge im Schubraum ihre Individualität verloren sowie sämtliche Grundrechte, zu den Baracken – und letztendlich führte unser Weg zur “Baracke X”, dem Krematorium.

An jeder Station hatte Steffen uns eine Menge zu erzählen; allerdings hatte er den Rundgang so angelegt, dass es kein “Frontalunterricht” war, sondern Bildmaterial und Zitate in der Tasche, die uns zur Interaktion aufforderten. Da wir eine verhältnismäßig kleine Gruppe waren (ich gebe zu, ich hatte mir einen Privatrundgang mit meiner Begleitung und Steffen gewünscht 🙂 ), waren Exemplare für jeden von uns vorhanden. Wir diskutierten, was wir auf den Bildern sahen, wie sich die Propaganda-Bilder von Friedrich Franz Bauer von den Zeichnungen des inhaftierten Künstlers Vlasto Kopač (der noch nicht mal einen eigenen deutschen Wiki-Eintrag hat, wie mir gerade auffällt) unterschieden.

Oder Steffen schärfte unseren Blick dafür, wie die Häftlinge in der Ausstellung im Wirtschaftsgebäude präsentiert wurden. Uns fiel auf, dass hier Wert darauf gelegt wurde, den Gesichtern wieder einen Namen zu geben. Zu zeigen, wie ihr Leben war, bevor sie in Dachau inhaftiert wurden.

Zeit für uns genommen hatte er sich, der Steffen. Geplant waren zwei Stunden, aus denen drei wurden. Allerdings hat das keinen von uns gestört, weil es eben so viel zu sehen und vor allem zu verarbeiten war. Ja, es ist nicht Gummibärchen, wenn man zur Gedenkstätte geht. Hier wird greifbar, was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland passiert wird. Jedoch ist die Aufstellung so aufgebaut, dass ich sie eher als behutsam empfunden habe. Sie setzt nicht allein auf den Schrecken, sondern auf die Schicksale.

Und noch etwas Interessantes gab es zum Abschluss. Wir haben uns die Winkelinstallation am internationalen Mahnmal angesehen. Unter anderem fehlen die rosa Winkel für die Homosexuellen. “Man” wollte es nicht dabei haben, als das Kunstwerk entworfen wurde. Denn zu diesem Zeitpunkt war Homosexualität in Deutschland noch unter Strafe gestellt.
Eine Gruppe hatte im Jahre 1985 einen rosa Winkel gestiftet. Dieser durfte nicht auf dem Gelände der Gedenkstätte aufgestellt werden. Erst 1995 durfte der Winkel offiziell auf dem Gelände “einziehen”. Eine Kleinigkeit, die viele vermutlich nicht einmal wahrnehmen. Die wir aber dank des Rundgangs erfahren haben.

Ich habe noch eine Storify-Geschichte zum Rundgang Dachau erstellt. Sehr interessant war es. Und ich sage nochmals ein riesiges Danke an Steffen, der so einen tollen Rundgang auf die Beine gestellt hat, obwohl er nicht fit war. Der Pharmaindustrie sei dank hat er uns drei Stunden über das Gelände geführt und eine Menge Input gegeben. Danke dafür :)! Vielleicht ja bis zum nächsten Mal? Ich wäre wieder dabei!

PS: Ja, Überraschung! Wir waren in den Top4 der Trending Topics in München!

Ein Gedanke zu „Das war der #RundgangDachau

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