Lost in translation

Einkaufen. Eine relativ simple Tätigkeit. Aber manchmal stellt sie mich nach dem Umzug doch vor Hürden.

Mein Feierabend war heute etwas später, sodass ich beim Umstieg von U-Bahn zu S-Bahn noch Zeit hatte. Zeit, die genutzt werden wollte.

Der erste Gang führte zum Geldautomaten. Soweit kein Thema. Der Geldautomat spricht hochdeutsch und das auch noch schriftlich. Missverständnis so gut wie ausgeschlossen.

Nächster Stopp: Hofpfisterei. Da bin ich Profi. Mittlerweile kommt meine Bestellung auch flüssig über die Lippen. „Ein Viertel von dem hellen Bauernbrot, ungeschnitten, bitte.“ (Jaha, ich kann mit dem gscheiten Messer mittlerweile super gleichmäßige Scheiben schneiden, yeah!)

Zwischenhalt bei Vinzenz Murr. In der Auslage erspähe ich etwas, das verräterisch nach eine Ware aussieht, die es im Ruhrpott sehr oft aufs Brot gibt. Folgender Dialog:
Ich: Grüß Gott. Ist das da Tatar für aufs Brot? (Ja, ich habe „für aufs Brot“ gesagt. Und „Tatar“. Weil daneben fertige Brote lagen, die sich „Tatar-Sandwich“ schimpften)
Verkäuferin: Öhm…. Ich glaube, das ist Hackepeter.
Ich: Also so was wie Mett?
Verkäuferin: *Ratlos*
Kundin neben mir: I glob, des nennt ma im Norden Mett. Des kinnens nehma.
Verkäuferin: *Erleuchtung*
Ich: *HEUREKA* Und wie heißt das jetzt in Bayern?
Verkäuferin: *Hilfesuchender Blick zur Kundin neben mir*
Kundin: I glob, des gibts net.

Stimmt das? Gut, meine lange Suche nach Mett hatte nach einem Jahr in Bayern heute mal ein Ende. Aber anscheinend ist es in den Metzgereien in der Tat so, dass Mett nicht zum ständigen Angebot gehört. Für eine Ruhrpott-Göre wie mich eine mittelschwere Katastrophe 😉 !

Letzter Halt: Rewe. Akuter Durst mit Unterzucker. Ich schnappe mir eine Flasche Granini Limo und gehe zur Kasse. Zu zahlen: €1,74. Mist. Mein Kleingeld ist alle. Also einen frisch aus dem Geldautomaten gezogenen Fuffi über die Theke geschlenzt.
Kassiererin: Haben Sie es nicht kleiner?
Ich: Nee. Die Geldautomaten hier sind so arrogant, dass sie nur einen Fünfziger ausspucken, wenn man fünfzig Euro abhebt.
Kassiererin: Kenne ich. Und dabei lebe ich aufm Dorf.
Ich: Keine Sorge, ich auch!

Es stimmt in der Tat. Wenn ich sonst fünfzig Euro abgehoben habe, bekam ich meist einen Zwanni, Zehner und Fünfer. Seit dem Umzug: FUPP! Fuffi. Das wars. Ist super, wenn man das Porti wieder befüllt hat und anschließend zum Becker geht, um zwei Semmeln zu kaufen…

Wenn ich groß bin, mache ich da ein Buch draus: Interkulturelle Unterschiede in Deutschland – vom Mettbrötchen zum Kleingeld.

Für die Schriftform des bayerischen Dialekts übernehme ich nach wie vor keine Gewähr 😀

3 Gedanken zu „Lost in translation

    1. KathysSong Artikelautor

      „Tatar“ kenne ich als sehr mageres Hackfleisch und dann zum Braten. Mett ist ja meist noch etwas gewürzt. Die Verkäuferin war übrigens auch nicht einheimisch 🙂

      Danke für den Link, das wird mir so manchen Einkauf sehr erleichtern 🙂 !

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