Mehr Räubertöchter – weniger Prinzessinnen!

Durch irgendeinen Artikel bin ich mal auf den Account von Insta2yearold aufmerksam geworden. Eine New Yorker-Mami zeigt dort den Alltag aus der Perspektive ihrer zweijährigen Tochter. Natürlich hat auch die Mama selbst einen Account namens mommyshorts.

Als ich heute durch meinen Feed scrollte, sah ich dieses Foto:

Eigentlich kein weltbewegendes Foto. Ein kleines Mädchen in schwarzer Kleidung. Allerdings stimmten mich Bildunterschrift und Tag nachdenklich.

Denn warum sollte Harlow sich buntere Kleidung aussuchen? Weil sie klein ist? Weil sie ein Mädchen ist? Sollten dann Pink, Rosa und sämtliche Schattierungen dieser unsäglichen “Sie muss das tragen, weil sie ein Mädchen ist!”-Farbe ihren Kleiderschrank bestimmen? Weil sie soooo klein und zuckersüß ist, dass etwas anderes als Prinzessin-Rosa nicht in Frage kommt? Dürfen kleine Mädchen etwa kein komplett schwarzes Outfit tragen?

Harlows Mutter hat die Klischee-Antwort selbst gegeben: #harlowgoesgoth. Natürlich mag in diesem Tag und dem ganzen Bild auch viel Augenzwinkern dabei sein. Dennoch. Ich bin in meinem Leben oft genug damit konfrontiert worden, dass der Inhalt meines Kleiderschranks zum Großteil Schwarz ist. Im Ruhrgebiet war es jetzt nicht wirklich etwas Auffälliges. Aber in Bayern wurde ich schon öfter darauf angesprochen, ob ich noch andere Farben im Schrank haben. Ja, habe ich. Allein aus beruflichen Gründen. Dennoch trage ich häufig Schwarz. Weil es mir gefällt. Weil es einem rubenesken Mädel wie mir das eine oder andere Kilo wegschummelt. Und weil Musikgeschmack und auch meine Einstellung seit langem der schwarzen Szene angehören. Goth. Grufti. Wie immer man sie auch nennen mag.

Das wirkt auf viele Leute heute immer noch befremdlich. Depressiv. Morbide. Nach meinem Umzug hat meine Tante hartnäckig versucht, meinen Kleiderschrank mit anderen Farben zu befüllen. Ihr im Kielwasser meine Cousine. Ich bin ja schließlich ein Mädchen. Das nicht nur ständig schwarz tragen könnte. Wie wäre es hier zum Beispiel mit dieser rosa Bluse? Ihnen zuliebe habe ich ein paar buntere Teile im Schrank. Rosa wird man allerdings vergeblich suchen. Vielleicht meine eigene kleine Rebellion, wer weiß das schon. Ich fühl mich wohl so. In dieser – böses Wort – Szene. Keine Drogenexzesse. Keine Prügeleien. Keine Eskapaden. Vielleicht waren meine Eltern deswegen fast beruhigt, als ich durch den Freundeskreis meiner Schwester damit aufgewachsen bin. Weil sie wussten, dass da alles friedlich ist und nie etwas passiert.
In Bayern wirkt es merkwürdigerweise auf viele noch befremdlich. Fast schon exotisch. Aber: Mir kanns wurscht sein.

Und ich hoffe, dass es der kleinen Harlow auch wurscht ist. Trag das, was du möchtest, wünsche ich ihr. Denn:

T-Shirt Räubertöchter

T-Shirt erhältlich bei EMP – für die kleinen Räubertöchter :)

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